"Unterwegs" - Gemeindebrief online

Wie schön, dass Sie sich für unseren Gemeindebrief "Unterwegs" interessieren! Hier finden Sie

einen geistlichen Impuls unseres Vorstandes

Wissenswertes rund um den Glauben und Theologie

ein Spiel für die Kinder

einen Rückblick auf Vergangenes

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Blick zurück


„Lass dich inspirieren!“ – Gedanken zum Monatsspruch


 Monatsspruch Juni 2026

 

„Denkt an die Gefangenen, als wäret ihr mitgefangen; denkt an die Misshandelten, denn auch ihr lebt noch in eurem irdischen Leib!“ (Hebräer 13,3)

 

Der Blick zurück:

 

Der Hebräerbrief richtete sich an eine junge christliche Gemeinde, die unter großem Druck stand. Wer sich damals zu Jesus bekannte, riskierte Gefängnis, Ausgrenzung oder körperliche Gewalt. In dieser Notlage fordert der Text keine bloße Mitleidsbekundung aus sicherer Entfernung. Er verlangt radikale Empathie: Wir sollen so fühlen und handeln, als säßen wir selbst hinter Gittern. Die Begründung ist entwaffnend nüchtern: Solange wir in unserem irdischen Körper leben, sind wir alle verletzlich. Niemand ist davor sicher, selbst in Not zu geraten.

 

Der Blick auf Jetzt:

 

Diese Aufforderung ist auch heute noch aktuell und wichtig. Sie holt uns aus unserer Komfortzone heraus und zeigt sich immer wieder in unserem Alltag:

  • Die unsichtbaren Gefängnisse: Wer ist in unserem Umfeld gefangen in Einsamkeit, Alter oder Krankheit? Denken wir an die pflegebedürftige Nachbarin, die das Haus nicht mehr verlassen kann und deren Welt extrem klein geworden ist. Ein kurzer Besuch oder das Angebot, den Einkauf mitzubringen, bricht diese Isolation auf.
  • Misshandelt im Verborgenen: Misshandlung geschieht heute oft leise. Sie passiert im Internet durch hasserfüllte Kommentare, in der Schule durch Mobbing oder am Arbeitsplatz durch unfairen Druck und Ausgrenzung. Wenn wir miterleben, wie über Andere schlecht geredet wird, fordert die Losung uns auf, nicht wegzusehen, sondern klar Position zu beziehen und der betroffenen Person beizustehen. 
  • Gelebte Solidarität im Alltag: Der Text ruft uns dazu auf, die Augen für die Lasten anderer zu öffnen. Das kann die gefrustete Mutter im Supermarkt sein, die sichtlich überfordert ist und ein freundliches Wort statt genervter Blicke braucht. Oder der "Neue" im Land, der sich noch nicht zurecht findet und Orientierung braucht.

Die Monatslosung erinnert uns daran, dass Gemeinde Jesu dort stattfindet, wo Menschen das Leid des anderen zu ihrem eigenen machen. Schauen wir gerade in diesem Monat ganz bewusst hin, wo wir im Alltag Mauern der Isolation durchbrechen können.


„Lass dich informieren!“ – Theologie für Interessierte


"Du sollst nicht lügen"

 

„Du sollst nicht lügen“ – das haben wir schon als Kinder gelernt.

 

Trotzdem haben die meisten Menschen im Lauf des Erwachsenwerdens auch gelernt, dass eine Lüge das Leben erleichtern kann.

 

Manchmal ist es leichter zu sagen „Ich bin krank“, wenn man keinen Bock mehr auf die Einladung am Abend hat.  Oder manchmal ist es einfacher, sich verleugnen zu lassen: „Sag einfach, ich bin nicht da!“ So wimmelt man den Anrufer am leichtesten ab. Vielleicht sind diese Ausreden für den anderen sogar leichter verträglich, sagt man sich schnell. Dann kann es ja nicht so schlimm sein.

 

Aber insgeheim wissen wir natürlich, dass es nicht stimmt, denn umgekehrt ist es bitter, angelogen zu werden. Man fühlt sich hintergangen oder sogar verraten. Und andere anzulügen ist auch nicht einfach. Eine gute Portion schlechtes Gewissen ist bei den meisten Menschen sofort dabei.

 

Also doch strikt bei der Wahrheit bleiben? Im Normalfall ja, aber wir müssen auch bedenken, was die Wahrheit eigentlich ist. Dietrich Bonhoeffer hat einmal als Beispiel erzählt, wie ein Lehrer ein Kind vor der Klasse darauf anspricht, dass sein Vater trinkt. Das Kind antwortete: „Das stimmt gar nicht!“ Es hatte gelogen – und trotzdem, sagt Bonhoeffer, ist das die Wahrheit gewesen. Warum? Weil der Lehrer den Vater, das Kind und die ganze Familie öffentlich bloßgestellt hat und dem Vater die Würde genommen hat. Dagegen hat sich das Kind intuitiv gewehrt, um die Würde zu wahren. Das ist Wahrheit!

 

Sicher ist das eine ungewohnte Deutung. Sie kann uns aber im Alltag helfen. „Du sollst nicht lügen“, damit ist gemeint: Du sollst den anderen nicht hintergehen, nicht betrügen, ihm nicht die Würde nehmen. Im Gegenteil: Rede so, dass du den anderen achtest! Rede so, wie du selbst möchtest, dass man mit dir redet!

 

Dass uns das immer wieder gelingt, das wünscht Ihnen

Ihr Vorstand


„Lass dich unterhalten!“ – Spiele für Kinder


„Lass dich erinnern!“ – Rückblicke in Bildern